Abb. aus: Thomas Myers, Anatomy Trains, Elsevier 2010

Faszien, Meridiane und Akupunktur

Wichtige im Körper verlaufende Faszien- und Muskelketten stimmen weitgehend überein mit den Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Schon in den 1980er Jahren konnte gezeigt werden, dass die meisten Akupunkturpunkte an Faszien-Kreuzungspunkten liegen, wo so genannte Septen von der Oberfläche in die Tiefe reichen und wo sich besonders viele Rezeptoren wie freie Nervenendigungen befinden. 
Faszienforscher untersuchen seit einigen Jahren, wie mechanische Reize - unter anderem die Akupunktur - auf die Faszien wirken. Die US- Neurologin Helène Langevin beispielsweise hat beobachtet, dass sich Faszien bei der Drehung einer Akupunkturnadel „wie eine Spaghetti“ um die Nadel wickeln (interessanter kurzer TV-Beitrag).

Langevin zeigte auf, wie durch mechanische Stimulation dieser Rezeptoren langfristige Veränderungen bezüglich Genexpression und Protheinsynthese sowie eine Modifikation der Grundmatrix ausgelöst werden können. Es erscheint plausibel, dass diese Wirkungen nicht auf reine Nadelstimulation der faszialen Rezeptoren beschränkt sind, sondern auch bei manuellen Stimulationen auftreten, die einen ähnlich „penetranten“ Charakter haben. Eine detaillierte Kenntnis der faszialen Ketten erscheint sowohl für Akupunkteure wie Manualtherapeuten von Vorteil.


Robert Schleip, Die Bedeutung der Faszien in der manuellen Therapie, Deutsche Zeitschrift für Osteopathie, (1) 2004