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Was unterscheidet Rolfing von Massage?

Immer wieder kommen Klientinnen und Klienten zu mir, die sich eine "Faszien-Massage" wünschen. Sie haben davon gehört, dass eine Massage der Faszien Ihre Verspannungen lösen könnte oder Ihre Schmerzen lindern.

Ja, bei einer Massage werden auch Faszien angesprochen - schon allein deshalb, weil Muskeln in Faszien "eingepackt" sind. Aber wir Rolfer® verstehen uns nicht als Masseure, wir bearbeiten den Körper auf grundsätzlich andere Weise, mit anderen Strategien und mit anderen Zielen.

Eine gute Massage kann himmlisch sein. Wir schließen die Augen und driften weit weg vom  Alltag, von Stress und Sorgen. Wohlige Entspannung stellt sich ein. Nach einer Stunde fühlen wir uns vielleicht sogar "wie neugeboren". Eine wunderbare Erfahrung, die auch ich gelegentlich nicht missen möchte! Doch selten sind die Effekte nachhaltig. Die Nackenverspannungen kommen nach einigen Tagen wieder, das Knie meldet sich beim Laufen wieder mit Schmerz, und beim Blick in den Spiegel stellt man fest: Ich bin immer noch schief...

 

Massage ändert eben nichts an einem Ungleichgewicht im Körper. Und Massage hat nicht den ganzen Körper und seine Bewegungsmuster im Blick, geschweige denn die Schwerkraft. Dann fallen wir schnell in die alten Muster zurück. Gleiches gilt für die Physiotherapie, die lokal an Muskeln und Gelenken arbeitet und auch für allerlei Angebote von "Faszientherapie", die inzwischen fast inflationär zugenommen haben. 

 

Was Rolfing® Strukturelle Integration besonders macht

Rolfing® ist ein Prozess der Veränderung: Eine Serie von Sitzungen - traditionell sind es zehn - mit dem Ziel, Ihre Körperwahrnehmung zu verfeinern, Ihnen mithilfe einer strategischen Faszienbehandlung mehr Beweglichkeit und effizientere Bewegungsmuster zu ermöglichen. Mühelose Aufrichtung dazu. Dadurch können Schmerzen sich verringern oder - hoffentlich - ganz verschwinden. Wir Rolfer® gehen systematisch den ganzen Körper durch - von oben nach unten, von außen nach innen. Von Sitzung zu Sitzung können Faszienschichten in verschiedenen Körperregionen besser gleiten, Muskeln freier arbeiten, Gelenke entlastet werden. Auch der Stoffwechsel im Bindegewebe verbessert sich. Wenn Sie mit kleineren aktiven Bewegungen und mit Ihrer Aufmerksamkeit bei diesem Prozess dabei sind, verfeinert sich die Wahrnehmung, wie Sie Ihren eigenen Körper benutzen.

Wie stehen Sie auf Ihren Füßen, wie verteilen Sie Ihr Gewicht, wie atmen Sie, wie gehen Sie und wie sitzen Sie auf einem Stuhl? Welche Gewohnheiten könnten zum Beispiel zu Ihren Nackenverspannungen beitragen? Wenn Sie Sport treiben, wie organisieren Sie Ihre Bewegungsabläufe?

Je mehr Sie entdecken, wie Sie Ihren Körper benutzen, je aufmerksamer Sie dabei sind, Muster zu erkennen und zu korrigieren, desto mehr profitieren Sie von diesem Rolfing-Prozess. Dann kann die Wirkung der Sitzungen sehr lang anhalten (um das Modewort "nachhaltig" nicht zu benutzen). Vielleicht brauchen Sie Ihren Rolfer nie mehr! Gut für Sie!

ROLFING geht über Entspannung hinaus

Rolfing vermittelt ein anderes Körpergefühl als eine Massage. Sie fühlen sich hoffentlich auch nach einer Rolfing-Sitzung entspannter. Dazu gesellt sich ein Gefühl von mehr Leichtigkeit, zugleich mehr Stabilität. Beides ist Ausdruck der gleichen Veränderung, beides gehört zusammen. Ihr Körper arrangiert sich besser mit der Schwerkraft, Haltung und Bewegung werden müheloser. Zugleich kann es sein, dass Sie eine Art Schwindelgefühl nach einer Sitzung wahrnehmen. Kein Grund zur Sorge, Ihr Körper nimmt einfach eine strukturelle Veränderung wahr. Sie zu integrieren, wird in der Regel leicht fallen.

 

Von der Schwerkraft getragen

Wie soll das gehen, getragen von der Schwerkraft? Ich dachte doch immer, die Schwerkraft zieht uns nach unten! Ja, das tut sie, wenn unser Körper zum Beispiel verschoben und schief ist. Dann muss er gegen die Schwerkraft ankämpfen. Im Lauf der Zeit zieht die Schwerkraft den Körper dann immer tiefer in ein "schiefes Muster". Chronische Beschwerden und Gelenkverschleiß sind die Folgen. Doch wir können uns tatsächlich mit der Schwerkraft so gut arrangieren, dass sie als Auftrieb spürbar ist. Die Schwerkraft unterstützt uns dann. Das können wir im Stehen, mit jedem Schritt und bei vielen Bewegungen spüren. Und das war von Beginn an ein Schlüsselthema für Dr. Ida Rolf, die Begründerin des Rolfing®. Sie entwickelte ein "Rezept", mit dem in einer Reihe von Sitzungen das Fasziennetzwerk systematisch ausbalanciert wird. Das geschieht in jeder Rolfing-Sitzung Schritt für Schritt.

 

 

Ida Rolf war überzeugt davon, dass ein Körper, der in Balance gebracht wird, sich auf den Weg zu Gesundheit und mehr Lebensqualität begibt. Sie sagte einmal: „Wenn der Körper wieder angemessen zu arbeiten beginnt, kann die Kraft der Gravitation durch ihn fließen. Dann wird er sich spontan selbst heilen.“

 

 

Für den sogenannten "Bewegungsapparat" (welch schrecklich mechanistisches Wort) gilt das mit Sicherheit. Was mich darüber hinaus immer wieder glücklich macht, sind die Beobachtung und das Feedback, dass die Klientinnen und Klienten sich einfach leichter fühlen. Dass sie stressige Situationen nicht mehr so schnell aus dem Gleichgesicht bringen. Dass sie sich in stressigen Situationen an Sitzungen erinnern und merken, wie sie ihre Atmung beeinflussen und ihr Gespür für eine stabile Basis über die Füße wiederfinden können. Das alles belohnt mich. Und das alles macht aus, warum ich diese meine Arbeit so sehr liebe.

 

 

Kurz zum Schluss: Wie das Gefühl, von der Schwerkraft getragen zu werden, sichtbar wird, kann man in diesem kurzen Video beobachten. Wir in der fortschrittlichen, westlichen Welt haben vieles verlernt, was disee Frauen noch verkörpern ...

 

Wir haben auch viele begrüßenswerte Fortschritte gemacht, aber es ist uns eben einiges abhanden gekommen. Es ist an der Zeit, einiges wieder zu entdecken.

Denken Sie nicht?